Vor dem Koikauf

Vor dem Koikauf

Bitte nehmen Sie meine Hinweise ernst – ansonsten verzichten Sie auf die Haltung von Koi.

Viele Teichfreunde sind bereits im Besitz eines Gartenteiches und erwägen die Haltung von Koi. Jedoch sind die allermeisten Gartenteiche dafür ungeeignet. Auch wenn im Verwandtenkreis oder beim Nachbarn der Gartenteich mit Koi seit Jahren funktioniert, gilt dies eher für einfache Nachzuchten und Eurokoi.

Als hochgezüchtetes Rassetier stellt der japanische Koi besondere Ansprüche an seine Umwelt.

Genetik und Robustheit

Die Genetik spielt eine fundamentale Rolle bei der Widerstandsfähigkeit von Koi. Innerhalb der Koi-Zucht gibt es eine deutliche Hierarchie der Robustheit, die direkt mit der Zuchttiefe und der Nähe zum Wildkarpfen (Magoi) zusammenhängt.

In den letzten Jahrzehnten wurden durch züchterische Maßnahmen (Selektionszüchtung) genetische Eigenschaften der Koi verändert (Domestikation). Im Vordergrund standen Körperbau, Wachstum und Hautqualität. Stark selektiv gezüchtete Koi sind heute deutlich krankheitsanfälliger und empfindlicher als ihre Wildformen. Nicht nur in Blutlinie und Herkunft, auch innerhalb einzelner Varietäten und Beschuppungsformen finden sich phänotypische Unterschiede. Als Beispiel seien hier die Doitsu-Varietäten genannt: schlechteres Wachstum, erhöhter Fettstoffwechsel, schlechterer Kalziumspeicher und größerer Sauerstoffbedarf. Folglich stellen nicht alle Koi dieselben Ansprüche an ihren Lebensraum. Die Stärke der Immunantwort ist abhängig von der genetischen Konstitution – als besonderes Merkmal sei hier die Kältetoleranz genannt.

Ausführliche Informationen finden Sie in der Infoleiste unter „Genetik der Koi".

Deshalb hinkt auch der Vergleich: „Der Koi sei ja nur ein bunter Karpfen."

Überleben vs. Leben

Zwischen Überleben und Leben besteht ein großer Unterschied. Dies erkennt man oft an der Lebenserwartung der Koi, die in den wenigsten Teichen 25 Jahre übersteigt. Jährlich werden hunderttausende Koi nach Deutschland importiert – bei der recht hohen Lebenserwartung müssten doch alle Teiche längst überfüllt sein.

Wer sich ein domestiziertes Tier wie einen Koi hält, muss sich im Klaren sein, dass dessen Ansprüche nicht mit denen eines Karpfens gleichzusetzen sind.

Für die Haltung von Koi sollten optimale Bedingungen angestrebt werden – keine Kompromisse! Eine Überwinterung unterhalb 5 °C stellt immer einen Kompromiss dar und ist mit einem Risiko für die Gesundheit der Koi verbunden. Der provozierte Farbverlust zeigt sich oft erst viel später, und zu niedrige Temperaturen werden dann nicht mehr als Ursache erkannt. Dasselbe gilt für gesundheitliche Probleme im Frühjahr: stark geschwächte Fische und Hochkonjunktur für malachit- und formalinhaltige Behandlungsmittel sind die Folge.

Informieren Sie sich im Vorfeld über die Ansprüche von Koi, bauen Sie erst einen koigerechten Teich und kaufen Sie dann die Koi. Lesen Sie Fachliteratur, melden Sie sich in Koiforen an und suchen Sie Kontakt zu erfahrenen Koihaltern. Oft bietet sich die Möglichkeit, deren Teiche zu besichtigen, wichtige Ratschläge zu beherzigen und Zusammenhänge in Wasserchemie und Filtertechnik besser zu verstehen.

Ansprüche an einen Koiteich

Wählen Sie eine möglichst kleine Teichoberfläche – die Auskühlung zwischen Tag und Nacht wird damit verringert. In unseren Breiten treten im Jahresverlauf extreme Temperaturschwankungen innerhalb von 24 Stunden auf. Wenn Sie mit einem geeigneten Teichprofil und einer Heizung in der Lage sind, diese zu minimieren, ist die Teichgröße nebensächlich.

Temperaturschwankungen sind Stress und damit Krankheitsauslöser für Koi. Vermeiden Sie je nach Stoffwechselaktivität Schwankungen von mehr als 2 °C (unter 12 °C) bzw. mehr als 4 °C (unter 22 °C) pro Tag – steuern Sie bei flachen Teichen mit einer Heizung dagegen. Grundsätzlich spricht nichts gegen kleine Teiche, jedoch sollten dabei zwei wichtige Punkte nicht vergessen werden:

  1. Die Notwendigkeit einer Heizung, um Temperaturschwankungen auszugleichen.
  2. Das geringe Sauerstoffvolumen. Koiteiche sind in der Regel reichlich besetzt. Bei Strom- oder Technikausfall kommt es durch den kleinen Sauerstoffpuffer schnell zu Atemnot der Fische – besonders nachts, wenn Algen zusätzlich Sauerstoff verbrauchen.

Kommt eine Teichheizung und/oder eine Abdeckung nicht in Frage, sollte je nach Region eine Teichtiefe ab 1,60 m gewählt werden – mit möglichst kleiner Oberfläche. Ein „Suppenschüssel-Teichprofil" findet hier keine Anwendung; die Teichwände müssen senkrecht verlaufen.

Filtertechnik

Die Filteranlage sollte als Schwerkraftsystem ausgelegt sein – das bietet gegenüber gepumpten Systemen einen großen energetischen Vorteil. Der Filter sollte so platziert sein, dass er das ganze Jahr in Betrieb bleibt. Wer seinen Filter jeden Winter abstellt, benötigt in der neuen Saison eine sehr lange Einlaufphase, da sich ein Biofilm nur langsam aufbaut. Biologische Filter werden mit jedem Jahr leistungsfähiger und sollten möglichst „in Ruhe gelassen" werden. Besonders wichtig ist eine effektive mechanische Vorfilterung.

Die gesamte Wassermenge sollte mindestens alle 2 Stunden umgewälzt werden (bei hohem Besatz stündlich). Bodenabläufe und Skimmer für eine effektive Filterung sind Voraussetzung.

Belüften Sie unbedingt den Teich – und nicht nur den biologischen Filter. Bei Pumpenausfall ist so die Sauerstoffversorgung weiterhin gewährleistet.

In den meisten Fällen versuchen Koihalter, ihr Teichwasser glasklar zu filtern. Bedenken Sie dabei die Gefahr von Sonnenbrand auf unpigmentierter Haut der Koi – der natürliche UV-Schutz durch Wassertrübung fehlt bei völlig klarem Wasser. Die Haut der Koi altert dadurch schneller und die Gefahr von Hauterkrankungen steigt. Eine Beschattung mittels Sonnensegeln schafft hier Abhilfe und gibt den Koi zudem ein sichereres Gefühl gegenüber Bedrohungen von oben.

 

 

Koi sind keine Kaltwasserfische – planen Sie von Anfang an die Möglichkeit einer Winterabdeckung ein. Wassertemperaturen von 5 °C sollten die unterste Grenze darstellen. Dabei sind die besagten 5 °C kein Dogma – entscheidend für eine kalte Überwinterung sind stabile Wassertemperaturen! Was unsere Koi im Winter und Frühjahr umbringt, sind Temperatursprünge von mehreren Grad, verursacht durch zu kleine Teiche und falsche Teichprofile. Hier ist der Einsatz einer Teichheizung Pflicht.

Es macht zudem einen Unterschied, ob im Herbst und Frühjahr leicht geheizt wird und die Temperatur im Winter für einige Wochen auf 5 °C fällt – oder ob in kalten Regionen von Oktober bis März die Teichtemperatur dauerhaft so niedrig liegt. Auch hier sei noch einmal auf die phänotypischen Unterschiede bei Koi hingewiesen: Je nach Herkunft – auch innerhalb Japans – reagieren Koi sehr unterschiedlich auf niedrige Wassertemperaturen.

Wasserwerte

Achten Sie auf stabile Wasserwerte und messen Sie diese wöchentlich.

Regelmäßige Wasserwechsel sind zwingend notwendig, da sich sonst Schadstoffe wie Schwermetalle, Nitrat, Hormone und Phenole zu gefährlichen Konzentrationen summieren. Auch steigt bei fehlendem Wasseraustausch der Keimdruck durch die Vermehrung von Aeromonas und Pseudomonas. Da Algen und Biofilm Verbraucher von Carbonationen sind, besteht besonders im Winter bei wenigen Wasserwechseln die Gefahr eines Säuresturzes durch verbrauchte Karbonate. Darüber hinaus benötigen die Fische Mineralien und Spurenelemente für Schuppen- und Knochenaufbau.

Größere Austauschraten sollten auf mehrere Tage verteilt werden. Koi reagieren empfindlich auf schwankende Werte – tauschen Sie je nach Jahreszeit und Besatzdichte wöchentlich 5–20 %.

Ernährung

Achten Sie auf eine koigerechte Ernährung und vertrauen Sie dabei nicht unbedingt den Herstelleraussagen. Ein teures Koifutter muss nicht hochwertig sein – ein preiswertes nicht minderwertig. Gewinnspannen von 800 % suggerieren mitunter eine hohe Wertigkeit. Lassen Sie sich nicht von Begriffen wie „Premium", „Exquisit", „Qualitäts-" oder „Professionell" blenden – diese sind marken- und kennzeichnungsrechtlich nicht geschützt, können beliebig verwendet werden und haben keine Aussagekraft über die Produkteigenschaften.

Um die Auswahl im unüberschaubaren Futtermarkt zu erleichtern: Wählen Sie für die Wachstumsmonate (18–25 °C) ein Futter mit 35–45 % Protein und 8–12 % Fett. Kleine, schnellwachsende Koi benötigen mehr Protein, große, langsam wachsende Koi weniger.

Vermeiden Sie Inhaltsstoffe mit hoher glykämischer Last (Traubenzucker, Zucker, Glucose, Süßstoffe, große Mengen Weizen-, Reis- oder Maismehl). Geeigneter sind Soja, Erbse oder Sonnenblume. Dauerhaft erhöhter Insulinspiegel, niedrige Blutsauerstoffwerte, Fetteinlagerungen sowie Spätfolgen wie Schlaganfall, Nierenversagen, Leberschäden, Hypertrophie und Entzündung der Bauchspeicheldrüse, schnellere Alterung und schlechte Hautqualität sind mögliche Folgen. Plötzliche, oft unerklärliche Todesfälle kommen hier ebenfalls in Betracht. Fachtierärzte für Koi geben die durchschnittliche Lebenserwartung von Koi mit nur 8–12 Jahren an. Auch Aussagen wie" "keine 10% der Koi erreichen ihr zwanzigstes Lebensjahr" sollten einen doch aufhorchen lassen.

Häufigste Ursache von Organschäden und verfetteten Koi sind ungeeignete Kohlenhydrate sowie deren hoher Anteil im Futter. In der Naturnahrung von Karpfen spielen Kohlenhydrate nur eine geringe Rolle. Ein Anteil unter 20 % im Futtermittel wäre völlig ausreichend, lässt sich produktionstechnisch jedoch kaum umsetzen – ein hoher Kohlenhydratanteil, besonders aus Nebenprodukten, senkt die Herstellungskosten erheblich.

Als magenlose Fische haben Koi kein Sättigungsgefühl und betteln daher ständig nach Futter. Naturnahrung hat einen Wasseranteil von 80 % – um ihren Energiebedarf zu decken, müssen Koi in der freien Natur ständig fressen. Industriefutter hingegen hat nur rund 6 % Wassergehalt; die fehlenden Prozente werden mit Kohlenhydraten aufgefüllt. Der Energiegehalt ist entsprechend hoch – kommt man dem ständigen Betteln nach, ist die Gefahr einer Überfütterung groß. Futtermengen sind abhängig von Temperatur, Koigröße, Sauerstoffgehalt und der Zusammensetzung der jeweiligen Futtersorte.

Verwenden Sie einen Futterautomaten. Füttern Sie bei Temperaturen über 22 °C kleine Koi 8–10 ×, mittlere Koi 6 × und große Koi 4 × täglich. Fütterungen nur morgens und abends entsprechen in der warmen Jahreszeit nicht der Ernährungsphysiologie der Koi. Gleichmäßige Futtergaben über den Tag sind auch für den Biofilter von Vorteil – hohe Ammoniak- und Nitritwerte entstehen durch große Futtermengen in wenigen Rationen, Nitrifikationsbakterien benötigen ein gleichmäßiges Nahrungsangebot.

Füttern Sie Ihre Koi im Winter bis zu einer Wassertemperatur von 12 °C täglich, darunter 3–4 × pro Woche. Unter 5 °C sollte die Fütterung eingestellt werden – vorausgesetzt, die Koi wurden im Sommer gut konditioniert und verfügen über ausreichende Energiereserven. Es müssen Ruhezonen vorhanden sein: Werden Koi bei 5 °C zum ständigen Schwimmen gezwungen, verbrauchen sie Energie.

Einjährige Koi verfügen noch nicht über die nötigen Energiereserven für eine lange, kalte Überwinterung. Hier sollten Überwinterungstemperaturen angestrebt werden, bei denen weiter gefüttert werden kann.

Quarantäne im eigenen Teich

Planen Sie beim Teichbau ein beheizbares Quarantänebecken ein. Neue Koi kommen nicht sofort in den Teich – eine 3-wöchige Quarantäne ist auch dann nötig, wenn der Händler diese bereits durchgeführt hat. Das Zusammenbringen von alten und neuen Koi findet stets in der Quarantäne statt. Ohne Quarantäne besteht immer die Gefahr einer Kreuzverkeimung sowie eines Ausbruchs der Schlafkrankheit – sowohl beim Altbestand als auch beim Neuzugang. Der Teich ist dabei auf 0,5 % aufzusalzen und eine Temperatur von mindestens 22 °C einzuhalten. Bedenken Sie dies bei stark bepflanzten Teichen.

Setzen Sie neue Koi nicht zu früh in den Teich – dauerhafte Teichtemperaturen von mindestens 16 °C sind Voraussetzung. Ein Kälteeinbruch hat bei warm gehälterten Koi fatale Folgen: Eine schnelle Temperaturabsenkung von 20 °C auf 10 °C erfordert eine Anpassungszeit von 14 Tagen.

Möchten Sie neue Koi im kalten Teich überwintern, sollten keine Zukäufe mehr nach August erfolgen – die verlockenden Herbstrabatte vieler Händler gehen oft nach hinten los. Ausgenommen sind beheizte Teiche und Innenhälterungen.

Mikroskop und Parasiten

Lernen Sie den Umgang mit einem Mikroskop. Eine erfolgreiche Behandlung setzt die Kenntnis des Parasiten voraus – vermeiden Sie prophylaktische Medikamentengaben.


Die Notwendigkeit dieser Ratschläge zeigt sich jedes Jahr von Neuem. Hunderte Hilferufe in Teichforen in der Rubrik „Krankheiten" im Herbst und Frühjahr sind Hinweis genug, dass Teichanlagen und Teichmanagement vielerorts unzureichend sind.

Auch fragt man sich: Wo schwimmen die vielen hunderttausend Koi, die Jahr für Jahr nach Deutschland gelangen? Bei einer recht hohen Lebenserwartung müssten alle Teiche doch längst überfüllt sein.

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